Zu viele Hürden blockieren den Wohnungsbau

Lüneburg. Die Niedersächsische Landesregierung muss deutlich mehr Geld in den Wohnungsbau investieren. Dies ist eine der zentralen Forderungen, die der Verband
der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Niedersachsen Bremen (vdw) bei seiner Jahrestagung in Lüneburg erhoben hat.

Bei einem gemeinsamen Pressegespräch am Dienstag wiesen Verbandsdirektor Heiner Pott und Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge auf die Folgen hin, die sonst durch den eklatanten Mangel an bezahlbaren Wohnungen drohen: „Wir dürfen nicht zulassen, dass es am Wohnungsmarkt zu einer sozialen Spaltung unserer Gesellschaft kommt."

Das Bündnis für bezahlbares Wohnen hat sich in seinen bisherigen Beratungen darauf verständigt, dass in den kommenden zehn Jahren insgesamt 40.000 neue Wohnungen mit Hilfe öffentlicher Förderung entstehen sollen. Dafür sind nach Einschätzung von Pott und Mädge mehrere hundert Millionen Euro seitens des Landes Niedersachsen nötig. Allerdings, kritisierte der vdw-Verbandsdirektor, seien im neuen Haushaltsplan des Landes bisher überhaupt keine weiteren Wohnraumfördermittel veranschlagt: „Wir fordern, dass das Land Niedersachsen das benötigte Geld in den nächsten Jahren bereitstellt und bereits für den neuen Haushalt einen entsprechenden Mittelansatz beschließt." Anderenfalls sei der Wohnraumförderfonds des Landes bis 2020 leergeräumt; und so drohe die Erosion des sozialen Wohnungsbaus weiter voranzuschreiten.

Oberbürgermeister Ulrich Mädge, der als Präsident des Niedersächsischen Städtetages ebenfalls Mitglied im landesweiten Bündnis für bezahlbares Wohnen ist, ergänzte: „Aus meiner Sicht ist es fünf nach Zwölf. Gerade in Wachstumsstädten wie Lüneburg haben wir schon jetzt eine Tendenz zur Gentrifizierung. Das heißt: Bund und Land müssen dringend gegensteuern mit entsprechenden auskömmlichen Programmen. Wir reden schließlich über die Mitte der Gesellschaft, das heißt über Verkäufer, Arbeiter, Studenten. Wenn nichts passiert, riskieren wir ein Auseinanderbrechen der Gesellschaft. Und wir müssen bedenken, dass es bei Bauvorhaben vom Beginn bis zur Fertigstellung eineinhalb Jahre dauert – deshalb benötigen wir die Mittel jetzt und nicht erst 2020."

Neben der öffentlichen Wohnraumförderung richtet sich die Kritik des vdw insbesondere an die derzeitigen Rahmenbedingungen, die den Wohnungsbau drastisch verteuern. Verbandsdirektor Pott wies auf zu teures Bauland, zu geringe Kapazitäten im Bauhand-werk, vermehrte technische Vorgaben und lange Planungs- und Genehmigungszeiten hin: „Unserer Branche werden immer mehr Hürden in den Weg gestellt. Wir brauchen deswegen keine Mietpreisbremse, sondern eine Baukostenbremse!"

Der Verbandstag des vdw Niedersachsen Bremen ist das wichtigste Treffen der kommunalen Wohnungsgesellschaften und der mehr als 100 Wohnungsgenossen-schaften in beiden Bundesländern. An zwei Tagen werden neben wohnungspolitischen Fragen auch Themen wie Digitalisierung, Nachwuchsgewinnung und die Möglichkeiten von Holzbauweise im Mehrfamilienhausbereich diskutiert. Heiner Pott hob die Innova-tionskraft und die Investitionsbereitschaft seiner Mitgliedsunternehmen hervor: „Wir werden in diesem Jahr erstmals mehr als eine Milliarde Euro für Neubau und Moderni-sierungen ausgeben. Und die meisten Aufträge landen beim regionalen Handwerk."

Der vdw Niedersachsen Bremen in Zahlen (Stand 31.12.2017)

Mitgliedsunternehmen: 170
Wohnungsbestand: rund 400.000
Mitarbeiter: 4858
Mitglieder von Wohnungsgenossenschaften: 225.000
Investitionen gesamt in Euro: 995 Millionen (2017); 1,285 Mrd. (geplant 2018)
Investitionen für Neubau in Euro: 430 Millionen (2017); 725 Millionen (geplant 2018)
Investitionen für Bestand in Euro: 565 Millionen (2017); 560 Millionen (geplant 2018)
Baufertigstellungen in Wohneinheiten: 800 (2016); 1430 (2017); 2150 (geplant 2018)
Leerstand in Niedersachsen in Prozent: 1,93 (2016); 1,94 (2017)
Leerstand in Bremen in Prozent: 1,40 (2016); 1,40 (2017)