Förderbedingungen verhindern Wende am Wohnungsmarkt

Hannover. Die 170 Mitgliedsunternehmen im Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Niedersachsen Bremen haben im vergangenen Jahr so viel investiert wie nie zuvor. Mehr als eine Milliarde Euro wurden für Wohnungsneubau und Bestandsmodernisierung ausgegeben. Das alles bei sozial verträglichen Mieten: Die niedersächsischen vdw-Mitglieder verlangen derzeit eine durchschnittliche Nettokaltmiete von rund 5,50 Euro pro Quadratmeter, im Land Bremen liegt der Mietpreis mit ca. 5,25 Euro pro Quadratmeter noch niedriger.

Trotz aller Anstrengungen der Wohnungsgesellschaften und -genossenschaften zeichnen sich gerade in den niedersächsischen Ballungsgebieten große Versorgungslücken ab. „Wir weisen seit langem darauf hin, dass die Zahl der öffentlich geförderten Wohnungen dramatisch zurückgehen wird (siehe Grafik)", sagt vdw-Verbandsdirektor Heiner Pott. „Dabei haben Landesregierung und Wohnungswirtschaft das gleiche Ziel: Wir müssen und wollen mehr Wohnungen bauen."

Mit dem neuen Niedersächsischen Umwelt- und Bauminister Olaf Lies will sich Pott auf eine verbesserte Förderkulisse verständigen. „Wir setzen darauf, dass sich Niedersachsen dafür einsetzt, dass der Bund auch über das Jahr 2019 hinaus Kompensationsmittel für den Sozialen Wohnungsbau bereitstellt." Aktuell sind dies 1,5 Milliarden Euro pro Jahr, die an die Länder gezahlt werden.

Doch es geht Pott zufolge nicht nur um mehr Geld, sondern vor allem auch um die Art und Weise, wie Wohnungsbau gefördert wird: „Wenn die Landesförderung nicht angenommen wird, so wie es die NBank mitteilt, müssen schnellstens die Rahmenbedingungen verändert werden." Dazu gebe es seitens der Landesregierung bereits erste positive Zeichen.

In den Blick nimmt der vdw-Chef vor allem die explodierenden Baukosten: „Land und Kommunen müssen alles dafür tun, dass sich diese Preisspirale nicht weiterdreht. Bei den Baulandpreisen ist das Maß längst voll. Außerdem benötigen wir ein Moratorium für energetische und bautechnische Anforderungen an den Wohnungsneubau. Und die Vorgaben durch die Landesbauordnung dürfen nicht weiter verschärft werden."

Der vdw-Verbandsdirektor warnte zudem davor, die Last des sozialen Wohnungsbaus den Wohnungsgenossenschaften aufzubürden: „Unsere Wohnungsgenossenschaften sind mit ihrer zurückhaltenden Mietenpolitik ein sozialer Stabilitätsfaktor. Sie würden sich beim Bau bezahlbarer Wohnungen noch mehr engagieren als ohnehin schon, wenn die Baukosten nicht so dramatisch gestiegen wären. Sie liegen in Ballungsregionen mittlerweile bei mehr als 4000 Euro pro Quadratmeter. Eine kostendeckende Miete liegt dann bei zwölf Euro und mehr pro Quadratmeter. Dieser Mietpreis ist mit dem genossenschaftlichen Grundverständnis kaum vereinbar."